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Kommentare zum tieferen Verständnis des Textes

"Sprachbewusstsein"

von Thomas Witzel

 

Offline lesen

Mit-Teilen als Selbstzweck
Regeln
"Wie Erwachsene" kommunizieren
Manipulative Redewendungen
Frauenfeindlich
Bildungsdefizit

 

 

Mit-Teilen als Selbstzweck:

Wo lässt sich das Mitteilungsbedürfnis besser studieren als im Internet? Vor allem private Homepages glänzen mit einer Nabelschau, wie sie noch vor wenigen Jahren unvorstellbar gewesen wäre. Kein Detail wird verheimlicht, ob zu Hobbies, Haustieren oder den ganz persönlichen Vorlieben. Die Welt muss es erfahren, ob sie will oder nicht. Auch bei Unternehmens-Seiten sieht es nicht viel anders aus: Blendwerk, Selbstbeweihräucherung und unbeantwortete E-Mails machen deutlich: "Wir sind uns selbst genüge." Doch hier wird die Rechnung ohne den Gast gemacht. Denn der möchte sich vielleicht auch einmal mitteilen. Und nun...?  

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Natürlich bleibt es Ihnen überlassen, ob Sie alle Verständnis-Links hintereinander lesen oder nicht. Bedenken Sie jedoch, dass dies weder der Absicht des Autors noch dem Gedanken des "Neuen Lesens" entspricht und manche Erläuterung durch die fehlende thematische Einbindung womöglich mehr Fragen aufwirft als beantwortet...

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Regeln:

Ob deutsche Rechtsprechung oder deutsche Rechtschreibung - jede Regel hat ihre Ausnahmen. Und genau dort liegt das Problem: Kaum ein Regelwerk veranlasst Menschen täglich zu derart vielen Hyperkorrekturen wie die neue deutsche Rechtschreibreform. 
Und warum? Weil zwar "platzieren" von Platz, aber "Eltern" nicht von alt abgeleitet werden kann; weil es nun zwar "Tunfisch", weiterhin aber "Thema" heißt; weil jetzt "aufs Neue" groß, jedoch "von neuem" klein geschrieben wird; weil "Betttuch" drei "t" hat, "Mittag" dagegen nur zwei. 
Die meisten Fehler aber entstehen durch die irrige Annahme, "ß" würde nun immer durch Doppel-s ersetzt. Dabei betrifft dies lediglich diejenigen Wörter, in denen bislang das "ß" nach einem kurzen Vokal vorkam ("Schluß" > "Schluss", "Kuß" > "Kuss"). Dass "Fuß", "Straße", "Maß", "schließen" usw. nun fälschlicherweise mit zwei "s" geschrieben werden, kann auch nicht mit der Regel der Konsonanten-Verdopplung begründet werden. Wörter, die dies betrifft (z.B. "Tipp", "Stopp" "nummerieren") sind überdies äußerst selten.

[Eine gute Übersicht zur "Neuregelung" finden Sie hier
Weitere Begriffs- und Ausnahmelisten lassen sich auf dieser Seite downloaden.]

Wie auch immer, die Umstellung auf die neue Schreibweise hat einen entscheidenden Vorteil: Die Chance, bewusster mit der eigenen Sprache umzugehen, Worte und ihren Gebrauch neu zu überdenken sowie durch die Schulzeit geprägte Muster zu ändern. 
Genug Gründe, um diese Gelegenheit so gut es geht zu nutzen. 

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"Wie Erwachsene" kommunizieren:

Vereinfacht gesagt lässt sich Kommunikation als Austausch von Informationen definieren. Das Komplizierte dabei ist nur, um welche Art der Information es sich handelt. Ein hilfreiches Modell kann dabei etwas Licht ins Dunkel der Konversationen bringen. Das 4-Ohren-Modell von Friedemann Schulz von Thun (>Buch) beispielsweise unterscheidet bei den einander vermittelten Botschaften zwischen folgenden Ebenen:

Sach-Ebene: Hier wird die "reine" Information übermittelt. Der Text, den Sie gerade lesen, bewegt sich (hoffentlich) überwiegend auf dieser Ebene. In den meisten Fällen wird die Kommunikation aber von weiteren Aspekten überlagert, was die Übermittlung der "Fakten" gefährden, ja sogar verhindern kann.

Beziehungs-Ebene
: Hier wird ausgetauscht, wie das Verhältnis zwischen den Gesprächspartnern beschaffen ist. Ein vorwurfsvoller Ton beispielsweise kann die sachlichste Äußerung derart emotionalisieren, dass der Empfänger sein Sach-Ohr auf Durchzug stellt. "Hörst du mir überhaupt zu?" Sicher! Fragt sich nur auf welcher Ebene...

Appell-Ebene
: Hier werden Handlungen ausgelöst. Je nachdem, wie der Empfänger erzogen oder "dressiert" ist, lassen sich mit einfachen Sätzen wie "Ein kühles Bier wäre jetzt genau das Richtige..." Aktivitäten anderer einleiten, ohne über Bedürfnisse, Forderungen oder Zuständigkeiten sprechen zu müssen. Bequem für den Sender - erniedrigend für den Empfänger.

Selbstoffenbarungs-Ebene
: Hier können Informationen über Befindlichkeit, Bedürfnisse, Gefühle ausgetauscht werden. Ein sehr sensibler Bereich, der viel zu oft ignoriert wird. Selbstbewusste Äußerungen des Senders ("Ich möchte...", "Ich fühle mich...") und ein Feingefühl des Empfängers, auch zwischen den Zeilen zu hören, können diese Ebene zu einem wichtigen Bestandteil eines partnerschaftlichen Miteinanders machen. 

Gelingt es, die Wahrnehmung der verschiedenen Ebenen während eines Gesprächs zu trainieren, lassen sich auch weniger "erwachsene" Kommunikationsformen (Manipulation, Provokation, Beteuerung, Anspielungen usw.) erkennen und die wirklichen Themen zur Sprache bringen. 

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Manipulative Redewendungen:

Unbewusst kommunizieren wir fast andauernd auf manipulative Weise. Jede Diskussion ist der Versuch, sein Gegenüber von der eigenen Meinung zu überzeugen. Die Übergänge zwischen Überzeugungskraft und Manipulation sind dabei fließend. 
Sogenannte Killer-Phrasen, wie "Das glaubst du doch selbst nicht!" aber sind weit entfernt davon, den anderen lediglich zu überzeugen. 

Dabei ist manipulatives Verhalten alles andere als "nebenwirkungsfrei". Durch Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen und Anliegen des Gesprächspartners sorgt der Manipulator gleichsam für die Unterdrückung auch der eigenen Bedürfnisse. Dazu kommen ein wachsender Realitätsverlust sowie die Unfähigkeit, sich flexibel und angemessen zu verhalten - selbst dann, wenn es dringend notwendig ist.  

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Frauenfeindlich:

Kein Zweifel, nicht nur unsere Gesellschaft, auch die deutsche Sprache ist patriarchal geprägt. An den Endungen lässt es sich schon ablesen: "er" ist die "Krone der (Sprach-)Schöpfung". 
Selbst wenn es einmal sachlich, nein: sächlich zugeht, findet eine geheime Geschlechtsumwandlung statt. "Das Ding" wird zu "dem Ding". 
Viele Personalpronomen, rückbezügliche Fürwörter und Wortstämme zeugen von längst (?) vergangenen Zeiten. Oder ist es ein Zufall, dass es herr-lich und däm-lich heißt...?
Doch wie lässt sich dieser heimlichen Frauenfeindlichkeit begegnen? Mit Schrägstrichen, "...in", "...Innen" oder der klein geschriebenen "frau" als Ersatz-"man"?
So wichtig ein Umdenken und das Praktizieren der Gleichberechtigung ist - Veränderungen, die aus einer Antihaltung heraus entstehen, neigen dazu, die gegnerische Kraft zu stärken. Solange gekämpft wird, solange wird gekämpft.
Besser ist es, die eigene Haltung zu überprüfen und Alternativen menschlicher Ausdrucksmöglichkeit zu finden, die unabhängig vom Geschlecht sind. Der Mensch zählt, nicht die Herberge.

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Bildungsdefizit:

Das irreale Gefühl, nicht genug zu wissen, ist ein derartig verbreitetes Phänomen, dass unsere Gesellschaft völlig anders aussehen würde, könnten die Betroffenen davon befreit werden. 
Und betroffen ist nahezu jeder. Oder möchten Sie nicht auch intelligent, klug und weise sein, ein wandelndes Lexikon, um keine Antwort verlegen...?
Quiz-Sendungen, Nobel-Preise und steinreiche Börsenspekulanten zerstreuen dabei den letzten Zweifel: "Wissen ist Macht". Doch wer es glaubt, wird alles andere als selig. Unaufhörlich nagt dieses beengende Gefühl, das auch nach dem 2487. Buch nicht weniger werden will. Im Gegenteil, die höchste philosophische Erkenntnis "Ich weiß, dass ich nichts weiß" wird mit zunehmendem Wissen immer mehr zur Gewissheit. Was tun? Noch mehr studieren, lesen, Kreuzworträtsel ausfüllen...?
Es gibt eine Alternative, wenn es auch bedeutet, sich von den geliebten Frage- und Antwort-Spielchen, dem Kräftemessen der Gehirnzellen und der Besserwisserei zu verabschieden: "Erkenne dich selbst!". 
Wenn es uns gelingt, den Sinn unserer eigenen, ganz individuellen Existenz zu erforschen, können wir ein Verständnis entwickeln, das uns mehr Antworten gibt als wir Fragen haben. Wir begreifen die Ohnmacht des "Wissenden", erfahren die Vernetztheit aller Dinge und können verstehen, was immer wir verstehen möchten. 

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